Exotic ist stolz darauf, einer der profiliertesten, weil umtriebigsten und expandierendsten Tigerzüchter des Landes zu sein. (Auch interessant: Sein Ziel hat er auf jeden Fall erreicht: Er ist berühmt. Open-Air-Gigs im Autokino zum Beispiel. Eine Filmkritik von Lars Dolkemeyer Äußerst ungewöhnlich, konstatiert auch der Anwalt des verschollenen Ehemannes. Selbst wenn das Reality-Fernsehen sich mit all seiner Kraft ins Zeug legen würde – eine Geschichte wie die von Joe Exotic könnte es sich nicht ausdenken. Eine dieser Aktivistinnen ist Carole Baskin, ebenfalls Betreiberin eines Privatzoos, in dem sie allerdings keine Jungtiere mehr nach züchtet, um sie von Besucher*innen streicheln zu lassen, sondern erwachsene Tiere aufnimmt und pflegt.Was nun erst einmal nach einer nachvollziehbaren Aufstellung klingt, enthüllt sich in Wenn das alles schon nach viel zu viel des Schlechten klingt, so deckt diese Zusammenfassung doch nur jene Verstrickungen ab, die in der ersten Hälfte der Serie auftauchen.
Weltweit leben mehr dieser Tiere in Gefangenschaft als in ihrer natürlichen Umgebung. Und über allem die große Frage: Wie können diese Menschen behaupten, im Interesse der Großkatzen zu arbeiten, indem sie Aufmerksamkeit auf die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume richten, wenn sie die Tiere selbst lediglich als Teil einer geschäftlichen Bilanz betrachten und sie entsprechend behandeln?Natürlich ist es aufregend, in das Unfassbare abseits der alltäglichen Umwelt einzutauchen. Wer Joe Exotic wirklich ist, erfahren wir nie. Im Januar wurde Joe Exotic zu 22 Jahren Haft verurteilt. Die Bilder, die wir hier zu sehen kriegen, gibt es, weil Exotic sich selbst über Jahre hinweg filmen ließ. Jetzt hat er sie – nur anders, als gedacht.Der Festivalsommer 2020 war dermaßen dead, dass man sich etwas einfallen lassen musste. In seinen Gehegen hausen nicht irgendwelche Tiere, die man im zentralen Süden der USA auch in freier Natur aufspüren könnte, sondern Tiger und andere „Big Cats“, große Raubkatzen. Genau, denn Sänger ist er auch noch. Doch ihre von Downbeats und Samples definierten Aufnahmen haben eine unauslöschlich melancholische Spur in der DNA der Gegenwartsmusik hinterlassen – und waren immer auch ein Paradies für Gastvokalisten. Großkatzen und ihre Raubtiere (OT: Tiger King) Tiger King , Eric Goode & Rebecca Chaiklin, USA 2020 – True-Crime-Dokuformate haben sich in den vergangenen Jahren – insbesondere auf Netflix – von der Nische zu einem wahren Hype-Phänomen entwickelt. Oder mit ihm zusammenleben. Auf der anderen Seite aber ist er sehr offen schwul, trägt blondierte Vokuhila und pinke Glitzerhemden, heiratet methsüchtige Twentysomethings, will Governeur werden und führt eine öffentliche Fehde mit Carole Baskin. Gleichzeitig.Klingt noch nicht obskur genug? In dieser wahren Geschichte über einen Auftragsmord in der bizarren Unterwelt der Raubkatzenzucht schlägt ein Zooeigentümer gehörig über die Stränge. Unter dem Namen DJ Nackt & Zerfleischt lud er in den Nullerjahren zu seiner Glamrock-Partyreihe im legendären Münchner Club „59:1“. Auf der anderen Seite aber ist er sehr offen schwul, trägt blondierte Vokuhila und pinke Glitzerhemden, heiratet methsüchtige Twentysomethings, will Governeur werden und führt eine öffentliche Fehde mit Carole Baskin. Hier im “Greater Wynnewood Exotic Animal Park” versammelt er eine seltsame Mannschaft der Ausgestoßenen. Seine Nemesis ist Carole Baskin, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Wildtiere zu befreien. In einer Zeit, die selbst wie eine dystopische Fiktion erscheint, ist sie der perfekte Eskapismus.
Die wiederum sollte ihm noch zum Verhängnis werden; von all dem erzählt die Der Greater Wynnewood Exotic Animal Park ist nicht nur ein Sammelbecken für die größte Anzahl gezüchteter Tiger in den Vereinigten Staaten von Amerika, sondern auch eines für sogenannte Misfits: Betreiber Joe Exotic, dieser an eine Parodie grenzende Möchtegern-Paradiesvogel, stellt als Tierpfleger*innen nicht etwa die besten oder zumindest nicht unerfahrensten ein, sondern die bedürftigsten. Kurz: Er kennt sich aus. Die Bilder, die wir hier zu sehen kriegen, gibt es, weil Exotic sich selbst über Jahre hinweg filmen ließ. Von Joe Exotics zunehmend erratischem Verhalten, der Drogensucht seiner Ehemänner, den finanziellen Schwierigkeiten, die weitere, noch zwielichtigere Figuren auf den Plan treten lassen, ist bis hierhin gar nicht die Rede. Ein „Tiger King“ eben, zumal mit Abgründen, weshalb der US-Originaltitel der Doku „Tiger King: Murder, Mayhem and Madness“ auch der viel passgenauere als der deutsche ist. Nicht zuletzt den Tieren selbst gegenüber ist das mehr als unfair.Das Leid, das einem System der rein ökonomischen Ausnutzung von Raubtieren und jenen Menschen, die sie pflegen, unweigerlich eingeschrieben ist, drängt nur in wenigen Momenten von den Rändern in die Episoden und wird dann schnell entweder zugunsten einer unfassbaren Wendung der wilden Erzählung um König Joe und die böse Hexe Carol wieder abgewickelt, oder selbst in sensationslüsterner Manier ausgestellt. Während die Episoden sich in einer unersättlichen Steigerungslogik von dramaturgischen Wendungen zu noch mehr dramaturgischen Wendungen drehen, bleibt die bittere Erkenntnis zurück, dass die Serie selbst an der von ihr ausgestellten Industrie in ihrer Begeisterungslust profitierend teilnimmt.